Stress ist ansteckend – Kohärenz aber auch!

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir Ihnen Forschungsergebnisse vorgestellt, wonach bereits das Beobachten einer stressigen Situation eine körperliche Stressreaktion auslösen kann. Stress wirkt also ansteckend. Und diese Wirkung ist noch stärker, wenn wir damit direkt konfrontiert werden: Kommen wir in einen Raum, in dem „dicke Luft“ herrscht und Leute gestresst oder wütend sind, so zieht uns das runter und wir fühlen uns unbehaglich. Auch wenn wir mit der Sache gar nichts zu tun haben. Dies funktioniert zum Glück jedoch auch in die andere Richtung. Eine Studie aus dem Jahr 2010 beweist: auch das Gegenteil ist wahr — wir können andere mit positiven Emotionen anstecken. Weiterlesen →

Geduld, die Kunst des intelligenten Abwartens

Von der Natur lernen Menschen schon seit ihrem Erscheinen auf der Erde. Dass wir von ihr jedoch auch Tugenden lernen können, mag ein neuer Gedanke sein. Ralph Waldo Emerson formulierte jedoch schon im 19. Jahrhundert folgenden Rat: „ Mach Dir die Gangart der Natur zu Eigen: Ihr Geheimnis ist Geduld.“
Leben entfaltet sich trotz und nicht wegen unserer Ungeduld. Durch unsere Ungeduld können wir uns jedoch kaum daran freuen und die Schönheit dieses Entfaltens erfassen. Und dann kommen da auch noch der ganze Stress, Missmut und Ungeduld hinzu.

Doch gerade in unserer schnelllebigen Zeit würde ein dickerer und stabilerer Geduldsfaden viel Stress reduzieren. Denn die Erfahrung zeigt, dass Ungeduld die erwarteten Ergebnisse oder die Zielerreichung keineswegs beschleunigt. Ist es nicht sogar eher so, dass das Zeitgefühl getrübt wird und wir den Eindruck haben, dass die Zeit gar nicht vergeht? Mit Ungeduld schaden wir uns nur selbst, denn der stressbedingte Hormoncocktail, der vorwiegend aus den „Stresshormonen“ Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin zusammengesetzt ist, macht uns auf Dauer krank. Außerdem schaltet unter Stress unser limbisches System, also unser emotionales Gehirn, den präfrontalen Kortex, also den am höchsten entwickelten Bereich des kognitiven Gehirns einfach ab. Patricia Goldman-Rakic von der Universität Yale drückt dies mit „to go offline“ aus (zitiert nach Prof. Servan-Schreiber). Wie sollen wir da noch eine gute Idee haben oder gar geeignete Strategien entwickeln, die unser gewünschtes Ergebnis beschleunigen oder verbessern?

Ungeduld – und das ist klar – ist keine Emotion, die nur wenige Unglückliche trifft. Es ist sicher so, dass nur einige Menschen sehr ungeduldig sind, aber die meisten von uns sind zumindest ein bisschen ungeduldig. Doc Childre, Gründer von HeartMath, beschreibt Geduld als „Kunst des intelligenten Abwartens“ – sinnhaftes Warten mit einer positiven Orientierung und der Gewissheit, dass Abwarten ein bedeutendes Element in der Entfaltung aller Dinge ist. So wie wir auch nicht an den berühmten „Grashalm“ ziehen können, damit dieser schneller wächst.

Für Doc Childre ist Geduld das Ergebnis eines aufrechterhaltenen Zustandes von innerer Leichtigkeit („Inner Ease“) und Widerstandskraft (Resilienz), wenn wir zur Ungeduld tendieren, insbesondere in Momenten, in denen der Verstand Ergebnisse erzwingen möchte statt im Flow zu bleiben.
Ungeduld ebnet den Weg für Frustration, eingeschränktes Urteilsvermögen und falsche Entscheidungen. Mit praktiziertem Herzfokus können wir dies umkehren, indem wir Ungeduld durch Geduld ersetzen – das Geheimrezept für Flow.

„Wenn wir uns in unseren Herzen der Geduld verpflichten, dann wird unser Geist kooperieren, seinen Widerstand aufgeben und zielgerichtete Schritte unternehmen, damit sie sich in unserem Leben manifestiert.“
(Doc Childre)

Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist, dass wir in die Ungeduld abgeglitten sind, haben wir uns selbst für diese Emotion entschieden. Es gibt keinen Grund dafür, dass wir bei den vielfältigen Situationen unseres geschäftigen Alltags nicht zwischen Geduld oder Ungeduld wählen können. Hier ein paar verbreitete Beispiele:

  • Auf dem Weg zur Arbeit, zu einem Treffen, zum Supermarkt oder zu sonst einem Ort begegnet uns ein Nachbar, eine Kollegin oder sonst ein Bekannter
  • Zähfließender Verkehr oder gar Stau
  • An der Kasse im Supermarkt
  • Kurze Ampelphasen
  • Langsame Internetverbindungen
  • Gesprächspartner, die umherschweifen statt auf den Punkt zu kommen

Wie oft haben Sie sich schon in solchen oder ähnlichen Situationen gedacht: „Dafür hab‘ ich grad echt keine Zeit“. Ich kann mich an viele Momente in meinem Leben erinnern, an denen ich mich gar an einen anderen Ort gewünscht habe. Wie viel Aufwand hätte es tatsächlich beutet, sich in solch einem Moment auf Ihr Herz zu konzentrieren und sich klar zu machen: ich habe tatsächlich die Wahl, ich muss nicht ungeduldig sein, ich kann Frieden schließen mir der gegenwärtigen Situation.

Auch diejenigen von uns, die meditieren oder HeartMath Techniken anwenden, erleben Ungeduld, aber es gelingt, diese deutlich einzuschränken und immer mehr die schöne Erfahrung von Geduld zu machen. Ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg: den persönlichen Raum der inneren Leichtigkeit („Inner Ease“) aufschließen, in dem wir uns wesentlich schneller und natürlicher dazu entscheiden, nicht ungeduldig zu werden. In diesem Zustand von Inner Ease – so Doc Childre – können wir, anstatt in alten Reaktionsmustern bei Stress und den Herausforderungen unserer gehetzten Welt verhaftet zu bleiben, uns mit unseren Herzqualitäten verbinden: Liebe, Fürsorge und Mitgefühl, und auch mit der Intelligenz unseres Herzens.

Bitte denken Sie daran: Geduld bedeutet auch die Abwesenheit vieler schädlicher Nebenprodukte von Ungeduld: unangenehme Emotionen wie Wut, Enttäuschung, Frust, oder auch Schuldzuweisungen. Anstatt sich selbst Energie zu berauben oder auf negative Energie zu polen können Sie sich bewusst dazu entscheiden, Ihre Energiereserven aufzuladen und Widerstandskraft aufzubauen. Ehrliche Geduld bedeutet, Situationen mit einer positiven Grundausrichtung anzugehen, mit Verständnis und Nachsicht. Und auch vielleicht mit etwas gesunder Demut. Denn wenn wir lernen, unser inneres emotionales Erleben zu kontrollieren, dann hat das, was von der Außenwelt kommt, keine so massiven Auswirkungen mehr. Und vielleicht freuen Sie sich in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft gar darüber, dass Sie in einem Stau oder einer Warteschlange stehen, da Sie dann Zeit haben für Inner Ease.


Inner-Ease™  für mehr Geduld
(1) Wenn Sie sich ungeduldig fühlen, machen Sie sich bewusst, was gerade passiert. Was können Sie gerade nicht dulden? Benennen Sie Ihre Gefühle (Ungeduld, Wut, Frust, Ungeduld, sorgenvoll oder geistig blockiert) und spüren Sie nach, was gerade in ihrem Körper vor sich geht. Wie drückt sich dieses unangenehme Gefühl in Ihrem Körper aus?

(2) Nehmen Sie eine kurze Auszeit und halten Sie inne. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Herzregion und atmen Sie etwas tiefer, aber ohne Anstrengung. Stellen Sie sich dabei vor, wie Sie durch Ihre Herzregion ein- und ausatmen. Dadurch harmonisieren Sie Ihren Herzschlagrhythmus und sorgen für innere Balance.

(3) Stellen Sie sich vor – während Sie die „Herzatmung“ praktizieren – wie sich allmählich ein Gefühl von innerer Leichtigkeit (Inner Ease) einstellt. Verankern Sie dieses Gefühl von Geduld und innerem Frieden in Ihrem Herzen.

Integrieren Sie Inner-Ease in Ihren Alltag, damit Sie die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen mehr und mehr mit Leichtigkeit bewältigen.

Stress ist ansteckend

Denn bereits das Beobachten stressiger Situationen kann eine körperliche Stressantwort auslösen

Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler in einem groß angelegten Kooperationsprojekt zwischen den Abteilungen von Tania Singer am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und Clemens Kirschbaum von der Technischen Universität Dresden. Empathischer Stress trat besonders häufig auf, wenn Beobachter in einer Paarbeziehung zu der gestressten Person standen und das Geschehen direkt über eine Glasscheibe verfolgen konnten. Aber auch wenn fremde Personen lediglich auf einem Bildschirm zu sehen waren, versetzte das einige Menschen in Alarmbereitschaft.
In unserer von Stress geprägten Gesellschaft ist dieser empathisch vermittelte Stress ein nicht zu vernachlässigender Faktor für das Gesundheitswesen.

Ob wir es also wollen oder nicht, unser emotionaler Zustand beeinflusst unsere Mitmenschen. Und sind wir mit diesen Menschen persönlich verbunden, noch viel stärker. Insofern tun wir nicht nur uns selbst einen Gefallen, wenn wir lernen, unsere Emotionen zu regulieren. Wir schützen auch unsere Mitmenschen vor diesem hoch ansteckenden emotionalen Virus.

Quellen: