Veränderung, die verändert – eine Fallstudie

Zusammenfassung

Angst, emotionale Ausbrüche und außergewöhnliche Müdigkeits- und Erschöpfungszustände sowie eine allgemein resignative Einstellung beschreiben die Ausgangssituation einer meiner Klientinnen vor der Arbeit mit HeartMath®. Sie startet mit großer Skepsis und der Überzeugung, dass eine Methode, die das Herz in den Mittelpunkt stellt, schon aufgrund ihres Herzrasens und der dazugehörigen Panikattacken nichts für sie sei. Sie ändert durch die folgende praktische Arbeit mit den einzelnen Techniken und ihrer Anwendung auf konkrete negative Erinnerungssequenzen nicht nur ihre Meinung: Es gelingt ihr zunehmend das Vorzeichen verschiedener problematischer, belastendender und energieverbrauchender Situationen umzukehren bzw. derart zu mildern, dass diese einen Teil ihrer verletzenden bzw. Trauer- oder Angst- einflößende Bedeutung verlieren.

Die subjektiven Repräsentationen von unüberwindlichen und kumulierten Negativ-Ereignissen erhalten durch die Arbeit mit HeartMath® eine gemilderte bis sinnhafte Bedeutung. Handlungsspielräume werden in ihrem Leben sichtbar, Erfolge stellen sich ein. Persönlich besonders problematische Beziehungen bewegen sich auf ein kontrollierbares Niveau. Die Klientin verändert sich – die zu Beginn der Arbeit allgegenwärtigen Beeinträchtigungen lösen sich auf. Zum Vorschein kommt eine mutige und anpackende Persönlichkeit, bereit die Herausforderungen, die sich ihr stellen, anzunehmen. Die Wirkung der Methode ist so beeindruckend wie die Klientin selbst.


Fallstudie

Während meiner Arbeit in der beruflichen Rehabilitation hatte ich Gelegenheit mit einer Klientin zu arbeiten, die mich maßgeblich von meiner Arbeit mit HeatMath® überzeugte. Sie litt unter Ängsten, Grübeln, emotionalen Ausbrüchen und auffälliger, außergewöhnlicher Müdigkeit. Schnelle Erschöpfung behinderte ihren Alltag und auch ihre Rückkehr ins Arbeitsleben. In dieser Ausgangslage nahm sie an einem Kleingruppentraining teil, welches von mir durchgeführt wurde.

Schon in der ersten Sitzung fiel sie mir durch ihr unentwegtes Gähnen und der Tatsache auf, dass sie tatsächlich während der Einführung kurzzeitig einschlief. Sie war mir auch deshalb in besonderer Erinnerung, weil sie zwar zuhörte und mitarbeitete – dabei dennoch kritisch, sehr skeptisch wirkte. Es kam mir vor als trüge sie eine Abneigung gegen das ganze Training, was sie mir später lachend bestätigte.

Wie bei anderen Klienten auch, zeigten sich schon zu Beginn der Arbeit mit HeartMath® erste Veränderungen. Wir nutzten die herzfokussierte Atmung zur Um-Bewertung einer ersten selbst gewählten negativen Erinnerungssequenz (Stresssituation). In der Gruppenreflexion beschrieb sie die Ausprägung ihrer negativen Emotionen zu dieser Situation auf einer subjektiven Emotions-Skala von 1-10 (EMONEG/ 1 = gering; 10 = hoch) vor der Übung bei 5 und nach der Übung bei 3, also um 2 Einheiten geringer.

Eine Woche später, in der zweiten Gruppeneinheit erschien sie müde und desinteressiert, führte aber die angeleiteten Übungen aus. Wieder brachte die Bearbeitung einer frei gewählten negativen Erinnerungssequenz mit der herzfokussierten Atmung eine Veränderung in der Einschätzung auf der EMONEG-Skala von 5 auf 3. Die Bearbeitung einer weiteren Erinnerungssequenz mit der Quick Coherence®-Technik brachte eine Verringerung auf der EMONEG von 9 auf 7. Meine Klientin war am Ende der Sitzung interessiert – und immer noch kritisch.

In der dritten Sitzung erschien meine Klientin zu Beginn ernst und müde, immer wieder gähnend. In dieser Sitzung behandelten wir die Inner Ease®- und die Heart Lock-In®-Technik. Auch dieses Mal nahmen wir uns die Zeit, um mit dem emWave® Pro qualitative Messungen der Kohärenzwerte und der Kohärenzverteilung vorzunehmen. Immer noch konnte sie während der (Null-) Messungen zum Anfang der Sitzungen nicht auf den Bildschirm schauen, da die vielen roten/ inkohärenten Anzeigen sie nervös machten. Im Verlauf „rutschte“ sie aber immer mehr in den mittleren Kohärenzbereich.
In dieser Sitzung wollte es der Zufall, dass wir nach der Hälfte der Zeit allein waren. Ich spürte, dass sie ohne rechte Lust oder Interesse in diese letzte Stunde ging. Wieder bearbeiteten wir eine negative Erinnerungssequenz. Sie wählte die bereits in der letzten Sitzung zuletzt gewählte Erinnerungssequenz. Und dieses Mal bewertete sie die Sequenz bereits vor der Übung um 2 Einheiten niedriger als beim letzten Durchgang (7 statt 9). Nach Durchführung der HeartMath®-Technik bewertete sie die EMONEG zu dieser Erinnerung wieder um 2 Einheiten weniger (also 5). Sie erkannte das Ergebnis nun als das, was es tatsächlich war, nämlich eine echte Veränderung. Auch wenn es sich hier um eine subjektive Einschätzung handelte, entsprach sie doch ihrer mentalen Repräsentation, ihrer Wahrnehmung und damit ihrem realen Empfinden.

Der Bann war gebrochen: Am Ende der Sitzung war von der Skepsis und den ärgerlich-wütigen Emotionen, die sie bisher ausstrahlte, nichts mehr zu spüren. In unserer vierten Sitzung konnte ich meine Klientin kaum wieder erkennen. Der Einführung in die Technik Freeze Frame® und der Nutzung zur Bearbeitung eines konkreten Problems folgte sie interessiert und absolut wach – auch bei den theoretischen Ausführungen hielt sie fast bis zum Ende (ca. 40 min.) durch, bevor erste Müdigkeitsanzeichen auftraten.

In der nächsten Gruppenreflexion berichtet sie davon, dass sie in der Zwischenzeit das erste Mal ihrer pubertierenden Tochter gegenüber ihre Bedürfnisse geäußert habe und zwar ohne das gefürchtete schlechte Gewissen. Sie habe auch nicht die sich sonst einstellende Wut und Ungeduld erlebt. Sie empfinde diesen neuen Handlungsspielraum als befreiend. In der sechsten Sitzung erschien meine Klientin in einer geradezu heiter- aufgeräumten Stimmung. Sie lächelte und zeigte erstmalig keinerlei Anzeichen von Müdigkeit.

Einen Monat später führten wir Biofeedback-Messungen sowohl mit dem emWave®Pro als auch dem emWave®Pro PLUS durch. Meine Klientin begann die Messungen ohne positive Erwartungen, d.h. sie wandte den Blick ab vom Bildschirm, um nicht durch die Messwerte irritiert zu werden. Sie erinnerte sich mit mir gemeinsam an die ersten Messungen, die durchweg völlig inkohärent gewesen waren (durchgängig rot im Level 1).

Meine Klientin erreichte einen Total Power-Wert von = 726.7 ms2/Hz. Dieser Wert zeigt die Gesamtenergie über alle Frequenzen des Autonomen Nervensystems. Er entsprach fast dem Normwert (vgl. Wittling). Ihr RMSSD-Wert betrug 48.1 ms und lag mehr als doppelt so hoch wie der entsprechende Normwert (ebda.). Die Stärke dieser Kennzahl deutet auf einen leistungsfähigen Zustand des Parasympathikus und damit eine effektive Erholungsfähigkeit des Nervensystems. Auf Rückfrage bestätigte sie, sie fühle sich sehr gut. Inzwischen war sogar eine Absage an ihren Wunsch auf eine Umschulung ergangen, deren Enttäuschung sie für sich genau in dieser Zeit verarbeiten musste – und offensichtlich hatte.

Wir arbeiteten noch im mehrwöchigen Abstand für mehrere Monate. Die Kohärenzwerte stiegen weiter. Als wir mit der Arbeit begannen, waren die Werte ausschließlich im inkohärenten Bereich. In der letzten Sitzung erreichte sie während der Inner-Ease®-Übung einen Kohärenzwert von 3.1 (Level 2). Ihr zuletzt gemessener Total Power-Wert lag bei = 1239.6 und war damit mehr als 50% höher als der Normwert, ihr RMSSD bei = 102.2 ms (bei einer Referenzspanne von 31.5 – 127.4). Im Hinblick auf ihr subjektives Energiegefühl beschrieb sie wie gut sie doch alles bewältige und wie optimistisch sie sich doch fühle – trotz so vieler Anforderungen und Unwägbarkeiten. Ergebnisse dieser Art sind es, die mich von meiner Arbeit mit HeartMath® überzeugen.

Mein Dank gilt zuerst dieser Klientin.

Dr. Susan Schmidt – www.tir-training.de

 

Foto: Cathal Mac an Bheatha