Soziale Kohärenz – aktuelle Forschungsergebnisse

Übersetzung eines Artikels von Dr. Rollin McCraty, Forschungsdirektor am HeartMath Institute, Boulder Creek, CA, USA

Der neueste Stand in der Forschung zur HRV und sozialen Kohärenz: Techniken, Technologien und Implikatio­nen zur Verbesserung der Gruppendynamik

Synthese

Konzepte, die unter dem Begriff der Kohärenz zusammengefasst sind, haben sich in Fachgebieten wie der Quantenphysik, der Physiologie und in den Sozialwissenschaften als zentral herausge­stellt. Obwohl es verschiedene Arten von Kohärenz gibt, impliziert der Begriff in jedem Fall eine harmonische Beziehung, Korrelationen und Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Teilen eines Systems. Ein aus der Herzfrequenzvariabilität (HRV) abgeleitetes Maß ermöglicht es, die physiologische Kohärenz zu messen. Eine andere Art der Kohärenz, die soziale Kohärenz, bezieht sich auf die harmonische Abstimmung aller Parteien in Beziehungen, Paaren, Familieneinheiten, kleinen Gruppen oder größeren Organisationen, in denen ein Beziehungsnetzwerk von Individuen mit gemeinsamen Zielen und Interessen besteht. Ein hohes Maß an sozialer Kohärenz ist in stabi­len und harmonischen Beziehungen vorzufinden und ermöglicht den effizienten Fluss sowie die zweckdienliche Nutzung von Energie und Kommunikation, die für einen optimalen kollektiven Zusammenhalt und optimales Handeln erforderlich sind. Soziale Kohärenz erfordert, dass die Gruppenmitglieder aufeinander eingestimmt und emotional miteinander verbunden sind und dass die emotionale Energie der Gruppe durch die Gruppe als Ganzes organisiert und reguliert wird. Eine Reihe von Studien, in denen die verschiedenen Arten der Synchronisation bei Säuglin­gen, Paaren und Gruppen untersucht wurden, zeigen, dass Gefühle der Zusammenarbeit, des Ver­trauens, des Mitgefühls und ein erhöhtes prosoziales Verhalten weitgehend von der Etablierung einer spontanen Synchronisation verschiedener physiologischer Rhythmen zwischen den Indivi­duen abhängen. Dieser Artikel diskutiert eine neue Anwendung des HRV-Monitorings in der sozi­alen Kohärenzforschung sowie die Bedeutung der physiologischen Synchronisation in Gruppen­entwicklungsprozessen und in der Gruppendynamik. Auf Grundlage der umfangreichen For­schungsergebnisse, die zeigen, dass Feedback zum Grad der HRV-Kohärenz auf individueller Ebene die Selbstregulierung verbessern kann, stellen wir die folgenden Hypothesen auf: Feed­back zur individuellen und kollektiven HRV-Kohärenz und zum Grad der Herzrhythmus-Synchro­nisation verbessert die Gruppenkohärenz und die Herzrhythmus-Synchronisation der Gruppen­mitglieder. Training in Techniken zur Erhöhung der Gruppenkohärenz und der Herzrhythmus-Synchronisation korreliert mit erhöhtem prosozialen Verhalten wie Entgegenkommen und der Kooperation der Individuen, einer verbesserten Kommunikation und der Abnahme von Zwietracht und kontradiktorischer Interaktionen. Die vom Herzen erzeugten biomagnetischen Felder könnten einen primären Mechanismus zur Vermittlung der HRV-Synchronisation unter den Grup­penmitgliedern darstellen. In dieser Arbeit sollen Daten diskutiert werden, die die erwähnten Hy­pothesen unterstützen.

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Photo by Tim Marshall on Unsplash